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Mad Hungry
So machen Sie Männer und Jungs satt und glücklich
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Interview mit Lucinda Scala Quinn zu ihrem Buch “Mad Hungry”
Wer hat aus Ihnen eine leidenschaftliche Köchin gemacht?
Ich bin in der großen italienischen Familie meines Vaters aufgewachsen, da war es praktisch unmöglich, sich nicht fürs Essen zu interessieren. Meine Mutter Rose hat für uns sechs zu Hause immer einfach, aber frisch gekocht, und erst, als ich selbst kochen musste, begann ich, das zu schätzen. Meine Liebe zum Kochen erwachte so richtig, als ich meine eigene Familie bekochen musste. Daraus entwickelte sich eine ganze Karriere, als Küchenchefin, Kochlehrerin, Betreiberin eines Partyservices, Autorin und Food-Journalistin.
Eine Mutter, die jeden Tag kochen muss, hätte auch abschreckend wirken können.
Fußballtraining, Elternabende und Geschäftsessen nehmen wir so wichtig in unserem Leben. Es gibt keinen Grund, warum wir das mit unseren täglichen Mahlzeiten nicht genauso tun sollten, ob man nun Familie hat oder nicht. Ein Essen anzurichten ist nicht aufwendiger, als das Haus zu putzen, den Rasen zu mähen oder den Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen. Wenn wir die Mahlzeiten wichtiger nehmen und sie gemeinsam mit den Menschen, die wir lieben, zubereiten, ernähren wir uns nicht nur gesünder, sondern schaffen auch eine tolle Atmosphäre. Zusammen das Frühstück, Mittag- oder Abendessen herzurichten, wird auf einmal zu einem Event, etwas, worauf man sich freut, und das ist dann viel mehr als einfach nur zu essen.
Wann ist für Sie ein Gericht rundum gelungen?
Ein Gericht ist dann gelungen, wenn man es immer wieder essen möchte, wenn deine Familie fragt, kochst du das bitte für uns? Wenn deine Kinder oder Freunde wissen wollen, wie es geht, damit sie es selbst machen können. Es muss nicht unbedingt leicht zuzubereiten sein, obwohl ich festgestellt habe, dass einige meiner beliebtesten Rezepte einfach aus vorhandenen Vorräten improvisiert werden können.
Worin unterscheiden sich Ihrer Meinung nach Männer und Frauen, wenn es ums Essen geht?
Männer essen anders als Frauen – sie essen mehr, ständig und leidenschaftlich. Sie plündern den Kühlschrank und klauben auch den letzten Krümel heraus. Sie essen im Stehen und mit den Fingern. Frauen essen jeden x-beliebigen Salat, weil man sich gesund ernähren sollte. Wenn man Männer für einen Salat begeistern will, dann muss er schon verdammt gut sein.
Es ist Ihnen gelungen, aus essenden auch kochende Männer zu machen. Was bringen Ihre Männer auf den Tisch?
Die Männer in meinen Leben unterscheiden sich alle durch ihren Geschmack und ihr Können. Mein Mann liebt ein gutes Steak und macht großartige Spareribs. Meinem ältesten Sohn Calder habe ich das Kochen beigebracht, bevor er ins College ging. Als er zurückkam, hat er mir viele Variationen gezeigt, in denen er Vorräte oder Reste aus dem Kühlschrank verarbeitet hat. Viele dieser einfallsreichen Rezepte aus seiner College-Zeit haben Einzug in unsere Alltagsküche gehalten. Mein mittlerer Sohn Miles ist Profi-Koch. Er hat schon in vielen guten Restaurants gearbeitet. Wenn er nach Hause kommt, zeigt er mir sehr viel Neues – seine Kochkünste stehen einfach noch mal eine Stufe über meinen. Bei ihm werde ich von der Lehrerin zur Schülerin. Luca, mein Jüngster, lernt gerade erst das Kochen. Mit 16 wird sein Leben stark vom Fußballtraining bestimmt, aber je näher seine College-Zeit rückt, desto wichtiger ist es ihm, auch selbst für sich kochen zu können.
Sie empfehlen in Ihren „10 Geboten“ einfache und altmodische Gerichte. Was meinen Sie damit?
Wenn ich von einfachen, altmodischen Gerichten spreche, meine ich diejenigen, die immer funktionieren. Die man immer machen kann, auch wenn kaum noch Vorräte im Haus sind; die man anderen weitergeben kann; Gerichte mit wenigen Zutaten und viel Geschmack. Probieren Sie nicht zu viele Rezepte auf einmal aus. Probieren Sie eines aus und kombinieren Sie es mit einem, das Sie aus dem Effeff können – muten Sie sich nicht zu viel zu, sonst verlieren Sie das Selbstvertrauen, und das Kochen wird eher zur Last als zur Lust.
Wir kennen kaum ein Kochbuch, in dem sich so viele gute Frühstücksrezepte finden. Warum ist das Frühstück so wichtig?
Es ist, wie man es sagt: Das Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit am Tag. Ich bin ein begeisterter Fan des guten Frühstücks: Es bringt deinen Motor auf Touren und schenkt dir Energie für den ganzen Tag.
Welche Zutaten sollte man immer zu Hause haben, um spontan ein schmackhaftes und gesundes Essen zu zaubern?
Ich habe immer Olivenöl, irgend eine Art von Pasta, Dosentomaten, Thunfisch in der Dose, Bohnen, Reis und Eier vorrätig. Damit kann man einige tolle Sachen zubereiten. Solche Gerichte nenne ich immer „Es ist nichts zu essen im Haus-…“
Warum ist das gemeinsame Familienessen so wichtig – in einer Zeit, in der oft beide Eltern berufstätig sind, vielleicht wichtiger denn je?
Eine gemeinsame Mahlzeit ist mit das Beste, was man für seine Familie tun kann – ob das Sie und Ihr Partner, Ihre Kinder, Freunde oder Mitbewohner sind. Gemeinsam zu kochen und zu essen ist so viel mehr, als einfach nur Nahrung zu sich zu nehmen. In einer Zeit, in der man so volle Terminkalender hat, gibt es kaum etwas Wichtigeres, als sich Zeit zu nehmen, um miteinander zu essen; zu erfahren, was die anderen am Tag erlebt haben – einfach zusammenzusitzen und miteinander zu reden. Das Essen bringt das Gespräch in Gang. Meine drei Teenager zum reden zu bringen, ist nicht immer leicht, aber Sie wären erstaunt zu sehen, wie sie auf einmal erzählen, was in ihrem Leben los ist, wenn sie eigentlich nur fragen wollten, ob jemand ihnen mal den Brokkoli reicht.
Greifen Männer, wenn ich sie nicht vernünftig bekoche, lieber zu Unvernünftigem – von Chips bis zu Süßigkeiten – als Frauen?
Das glaube ich nicht. Das hat nichts mit dem Geschlecht zu tun. Ich denke, wenn man nicht kochen kann, besorgt man sich eher irgendwo etwas Fertiges, isst Junk-Food und ernährt sich weniger gesund. Das ist so, wie wenn man einem Mann einen Fisch kocht. Dann hat er einmal etwas zu essen. Lehren Sie ihn zu fischen, und er hat sein Leben lang etwas zu essen.
Welche Tipps haben Sie für den "Hunger zwischendurch", der bei Männern ständig herrscht und der sie so oft zu Junk-Food greifen lässt?
Geben Sie Ihren Männern und Jungs tolle Snacks. Die Hungerattacken zwischendurch sind unvermeidlich, aber wenn man für gute Zwischenmahlzeiten sorgt, am besten mit Proteinen, kann man sie von den geliebten Chips abbringen. Frisches Gemüse, Käse, Nüsse – keinen Zucker, kein nährstoffarmes Zeug. Wenn man auf dem Herd etwas zubereitet, das lecker duftet, warten sie vielleicht sogar, bis das Essen fertig ist.
Wie kriege ich notorisch Fleisch liebende Männer und Jungs dazu, auch mal frisches Gemüse, idealerweise aus dem eigenen Garten, zu essen?
Ich sage immer, zum Gemüseesser wird man gemacht, nicht geboren. Als meine Jungs klein waren, haben sie manchmal Gemüse gegessen, manchmal nicht. Ich habe es trotzdem jeden Tag auf den Tisch gestellt, und wenn man es abwechslungsreich zubereitet (Schinkenspeck hilft immer!), greifen sie irgendwann zu. Mein mittlerer Sohn, Miles, hat Tomaten gehasst. Es gab keine Möglichkeit, ihn dazu zu bringen, eine zu essen – aber er liebte Brooklyn. Also haben wir ihm erzählt, die Tomaten kämen aus Brooklyn. Plötzlich aß er sie! Manchmal versuche ich auch, Tomaten unter meinen „Jungs-Salat“ zu mischen, der viel buntes Gemüse enthält und sehr geschmacksintensiv ist.
Und zum Schluss: Was ist wichtiger für Sie: für Ihre Gerichte von Ihren hungrigen Männern gelobt oder von ihnen bekocht zu werden?
Wer freut sich nicht, wenn andere das Essen, das man für sie gekocht hat, loben? Aber noch mehr liebe ich das befriedigende Gefühl, das sich bei mir einstellt, wenn ich jemandem etwas beigebracht habe – seien es meine Söhne, mein Mann, ein Kollege oder eine Freundin. Ich verrate ihnen einen Tipp, eine Technik oder ein ganzes Rezept und sehe dann, wie sie selbst mit ihren Kochkünsten Erfolg haben oder sogar das, was sie von mir gelernt haben, an andere weitergeben. Was gibt es schöneres als ein tolles Essen, das dein Mann für dich gekocht hat? Wenn er auch noch tanzen kann und eine gute Rückenmassage gibt, solltest du ihn nicht mehr gehen lassen.
Wir danken Workman Publishing und Lucinda Scala Quinn für die freundliche Unterstützung. Das Interview führte Dr. Jürgen Pütz.
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